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Inzest

Incest; Egyptische godin Isis met haar zoon Horus de koning

Schilderij van Susan Seddon Boulet

Inzest bedeutet: sexueller Kontakt unter Verwandten. Das Wort kommt vom lateinischen Wort „incastus“, was unkeusch, anstößig bedeutet. Hieran kann man die Missbilligung erkennen. Inzest wird fast immer und überall als etwas Falsches betrachtet. Auch bei den meisten Tieren wird Inzest vermieden. Es gibt jedoch  Kulturen, in denen „Königskinder“ einander heiraten, um die „Reinheit des Blutes“ zu erhalten.

Fortpflanzung und Inzest
Warum ist Inzest verboten? Eine Erklärung hierfür ist wahrscheinlich, dass in der Evolution der Arten, die sich fortpflanzen, die Suche nach einem Partner außerhalb der eigenen Familie auf die Dauer bessere Nachkommen lieferte als wenn man konstant innerhalb der eigenen Gruppe blieb. Das Letztgenannte wird als „Inzucht“ bezeichnet. Fortpflanzung findet in diesem Fall innerhalb einer begrenzten Gruppe statt, z.B. innerhalb einer isolierten Gemeinschaft. Erbliche Abweichungen werden stärker, da die Chance größer ist, dass beide Elterteile sie im Erbgut haben. Darum wird bei Menschen und Tieren so eine Situation meist vermieden.

Exogamie verhindert Inzest
Auch in der Urzeit suchte man bereits einen Partner außerhalb der eigenen Gruppe. Diese Erscheinung nennt man „Exogamie“. Exogamie hat eine genetische Basis. Das Phänomen ist „angeboren“, „natürlich“. Die Gemeinschaft als Ganzes fördert durch ihr Verhalten Exogamie. Es gibt Regeln und Gesetze, die inzestuöse Ehen verbieten. Menschen, die nicht heiraten dürfen, sind fast immer Verwandten ersten Grades, also Bruder und Schwester, Eltern und Kinder, aber oft gilt das gleiche auch für Verwandte zweiten und dritten Grades: Großeltern, Neffen und Nichten, (Groß)Onkel und  -tanten. In vielen Kulturen wurde das Inzestverbot noch ausgeweitet, also auch hin zu weiter entfernten Verwandten oder angeheirateten Verwandten: Schwiegertochter, Schwager, Eltern mit Schwiegersohn/-tochter (z.B. nach dem Tod des ersten Partners).

InzesttabuIncest; gezinsleden hebben vanzelf minder lustgevoelens voor elkaar
Das Inzestverbot war ein tief verwurzeltes Verbot von Sex mit bestimmten anderen Menschen, was sich in Gefühlen von Abscheu beim Individuum, Entmutigung bei der Familie und strengen Regeln und schweren Strafen durch die Gesellschaft manifestierte. Es war eingebettet in die Sozialisierung der Kinder und wurde dadurch selbstverständlich aber auch tabu. Darum bezeichnet man das Inzestverbot auch als „Inzesttabu“. Das Wort „tabu“ kommt aus dem Polynesischen und bedeutet „heilig“ oder „unberührbar“. Das Typische eines Tabus ist, dass es sich um ein Verbot handelt, dass so tief im Menschen verwurzelt ist, dass darüber nicht rationell gesprochen werden kann.

Lustgefühle sind manchmal stärker als das Inzesttabu
Die Familie formte auch eine Umgebung, in der sexuelle Anziehung wie von selbst verebbte. Je vertrauter Menschen miteinander sind, je weniger sie sexuell anziehend sie füreinander sind. Die Lust richtet sich ganz von selbst auf das Unbekannte, das Neue, das Andere. Dies lässt die sexuelle Lust, die manchmal stärker sein kann als ein Verbot, jedoch nicht verschwinden. Die meisten Brüder und Schwestern spielen Sexspielchen miteinander (da sie darin doch „neu“ füreinander sind). Diese Spiele sind eine Art Übung, die manchmal eher von gelegentlicher und kurzer Art sind, manchmal aber auch Jahre dauern können. Dabei handelt es sich nicht nur um eine „unschuldige“ oder „nicht-sexuelle“ Neugier.

Auch unter Kindern und Eltern können Lustgefühle eine Rolle spielen. Der Vater kann für seine Tochter sehr anziehend sein und die Mutter für den Sohn und auch andersherum. Der Vater kann seine aufwachsende Tochter plötzlich mit anderen Augen sehen und das gerade in der Periode, in der seine Frau sexuell weniger anziehend für ihn ist, da sie schon Jahre vertraut miteinander sind. Die Tochter kann ihren Vater in einer Periode, in der andere männliche Partner unerreichbar oder nicht anziehend genug sind, als möglichen und sogar als einzigen anziehenden Liebhaber ansehen. Die Mutter wird im Allgemeinen weniger bewusste sexuelle Gefühle für ihre Kinder empfinden, da Sorge und Bindung sie mehr in Anspruch nehmen. Die Lustgefühle des Sohnes für die (junge) Mutter werden bereits früh verdrängt. Die bekannteste Erzählung über einen Sohn-Mutter-Inzest ist die von König Ödipus, welche vor 2500 Jahren von dem Griechen Sophokles geschrieben wurde. Das Inzesttabu wird darin als etwas Furchtbares beschrieben: Die bringt sich selbst um und der Sohn sticht sich seine Augen aus.

Oedipus, het beroemdste voorbeeld van incest

Oedipus en zijn moeder Iokaste

Vater-Tochter-Inzest
Der Vater-Tochter-Inzest kommt also am häufigsten vor, sowohl in der Phantasie als auch in echt. Die kollektiven Gefühle von Abscheu richten sich also hauptsächlich darauf. Dies ist ein Beispiel für Projektion wie aus dem Lehrbuch. Eigene, unbewusste, inzestuöse Gefühle werden anderen zugeordnet. Früher wurde Inzest, wenn dieser öffentlich bekannt wurde, mit dem Tod bestraft. Aber auch jetzt noch, in unserem Teil der Welt, den wir als „modern“ und „sexuell frei“ bezeichnen, wird Inzest mit Abscheu betrachtet und schwer bestraft. Hierbei denkt man an erster Stelle an Sex zwischen Vater und Tochter. Das Inzesttabu ist also tief verankert. Grund für die Abscheu ist bei uns jedoch nicht das heilige Verbot von Sex unter Verwandten, sondern die Definition von Inzest als sexueller Missbrauch, Misshandlung, Aggression und Gewalt. Dies ist ein gutes Beispiel für „Rationalisierung“. Man benutzt ein rationelles Argument um irrationelles Verhalten zu unterstützen. Jeder ist nämlich gegen Misshandlung und Missbrauch, aber das ist bei Inzest gar nicht immer der Fall.

Inzest ist keine Misshandlung
Die Tatsache, dass man im Allgemeinen bei „Inzest“ an Gewalt und Missbrauch denkt, obwohl dies nicht in der eigentlichen Bedeutung des Wortes liegt, ist gut zu erklären. Als in den 60er/70er Jahren Verhütung allgemein akzeptiert wurde, wuchs auch die Überzeugung, dass Sex frei, ohne Schwangerschaft und Ehe als direkte Konsequenz ausgelebt werden konnte. Dies resultierte bei vielen Menschen in der Akzeptanz von Sex vor der Ehe und sogar neben der Ehe her. Aber man dachte auch weiter. Wenn Verwandte Sex miteinander haben und Fortpflanzung kein Thema ist, dann droht auch keine Inzucht. Darum ist das Inzesttabu auch nicht mehr funktionell. Es gab in der Evolution einst einen guten Grund dafür, aber diesen gibt es nicht mehr. Manch einer weitete diesen Gedankengang weiter aus und praktizierte „Familiensex“. Dass dabei von selbst auch Missbrauch stattfand, das kann man sich gut vorstellen. Auf den „Familiensex“ entstand schnell eine Gegenreaktion, welche in den letzten 20 Jahren stärker geworden ist, sodass das Inzesttabu wieder zurückgekehrt ist und dies bei vielen Menschen Schuldgefühle verursacht.

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