Sexualität
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Sexsucht

Dik Brummel

Der Begriff „Sucht“

Genau so wie man süchtig sein kann nach Drogen, Alkohol, Tabak, Spielen, Arbeit, essen, Sport, fernsehen, Kirchenritual, fotografieren, Mathe, Geld verdienen, am Computer sitzen, Eis essen, sauber machen, konferieren usw. usw., so kann man auch süchtig sein nach Sex.

Sucht/Abhängigkeit
Jeder weiß, was „abhängig“ bedeutet. Im Niederländischen wird das Wort „abhängig“ vom Begriff für „Sklave“ abgeleitet. Daraus spricht das Untertänige, Niedrige, Erniedrigende einer Sucht. Eine abhängige Person unterwirft sich, ist ausgeliefert an etwas, das ihn in seinem Handeln bestimmt. Der Sklave möchte sich befreien, aber das gelingt ihm nicht. Auf jeden Fall will derjenige sich mäßigen, aber schafft dies nicht. Sucht hat diverse Folgen: sich gut fühlen während der „Aktivität“, aber direkt danach oder nach einiger Zeit das Fühlen der Folgen der Sucht: Schmerzen und andere Beschwerden, Probleme im Alltag zu funktionieren, Geldmangel, Übermüdung, sich selbst und andere verwahrlosen, Abneigung gegen sich selbst als „Schlappschwanz“ etc.
Wahrscheinlich kennen alle Menschen diese Erfahrung. Es gehört ganz einfach zum Leben, dass man alles, was einem ein gutes Gefühl gibt, erneut aufsucht, das dann übertreibt und danach dann wieder korrigiert. Man kann das alleine tun, aber manchmal ist die Unterstützung von anderen hilfreich. Manchmal braucht man auch professionelle Hilfe. Manchmal hilft auch die nicht. Es gibt also eine Kategorie von „Abhängigen“, die bis zu ihrem Tod das Verhalten, über das sie selbst keine Kontrolle haben, beibehalten.
Das Nachfolgende bezieht sich auf „Abhängigkeit“ im Allgemeinen, ganz egal ob es um das rauchen von Zigarren oder Geld verdienen, Polizeiarbeit oder Schwangerschaft, lügen oder Kleidung kaufen, Schach spielen oder Sex geht.

Sexsucht ist nicht nur etwas aus unserer heutigen Zeit
Der Begriff „Sexsucht“ ist in der letzten Zeit populär geworden, wahrscheinlich durch das Internet. Seit ungefähr 10 Jahren gibt es eine Bewegung aus Amerika, die ihrer Arbeit das Werk von Patrick Carnes zu Grunde legt und auf verschiedenste Weise probiert, auf die Krankheit „Sexsucht“ aufmerksam zu machen. Diese Bewegung behauptet, dass es viel Mühe gekostet hat, Sozialarbeiter davon zu überzeugen, dass es so etwas wie „Sexsucht“ gibt. Das ist ein Missverständnis. Bereits aus frühesten Aufzeichnungen ist ersichtlich, dass sich damals schon Therapeuten und andere mit der Beherrschung unverständlicher „Triebe“ beschäftigten. Von alters her ist das Prinzip der Übertreibung bekannt und wird dies missbilligt.
Alkoholmissbrauch, zum Beispiel, gehört zu den ältesten Erfahrungen mit Sucht und wurde immer verurteilt. Mit Sex ist es eigentlich das Gleiche, sogar noch stärker. Von alters her ist die Kontrolle sexueller Begierden ein zentraler Punkt in allen Philosophien und Religionen der Welt. Das hängt auch mit der Trennung von „Körper“ und „Geist“ zusammen. Der „Geist“ sollte den „Körper“ unter Kontrolle haben, genau wie ein Kapitän ein Schiff oder ein Vater seine Familie.

Sexsucht und das antisexuelle KlimaSeksverslaving; man kijkt naar Lolita op internet
Das größte Bedenken hinsichtlich der Bewegung gegen Sexsucht ist, dass von allen Anzeichen und Verhaltensweisen, die sie als „sexsüchtig“ bezeichnen, nur ein kleiner Teil wirklich als „Sucht“, so wie sie oben beschrieben wurde, zu bezeichnen ist. Der Rest, also ungefähr 85%, besteht aus Beispielen, die wir als Variationen sexuellen Verhaltens sehen. Sexuelle Phantasien zum Beispiel sind natürlich normal und jeder hat sie. Es also Unsinn, „Phantasiesex“ als Zeichen einer Sucht zu sehen. Das gleiche gilt für „Nudismus“, „masturbieren mit Objekten“ etc. Es handelt sich dabei um Verhalten, das man missbilligt, aber das man darum noch nicht gleich als „Sucht“ bezeichnen kann. Das selbe gilt auch für Exhibitionismus, Sex mit Kindern, SM, flüchtigen/oberflächlichen Sex etc. Eigentlich wird dann alles Verhalten, das nicht innerhalb einer Ehe in einem dunklen Schlafzimmer im Geheimen mit dem Ziel, Kinder zu zeugen, stattfindet, mindestens als „riskant“ eingeordnet.
Zusammenfassend kann man sagen: genau wie es andere Süchte gibt, gibt es sicher auch eine Sexsucht. Jemandem zu helfen, der darunter leidet und um Hilfe fragt, ist ganz selbstverständlich. Genau so wie Menschen, die süchtig nach Mathe sind, auch Hilfe bekommen müssen. Es handelt sich hierbei aber um eine Minderheit, die ihr eigenes Verhalten nicht mehr regulieren kann, auch nicht mit Hilfe von Freunden.
In einem antisexuellen Klima ist es schwierig jemanden zu überzeugen, sich selbst als sexsüchtig zu betrachten. Die Bewegung gegen die „Sexsucht“, wie zum Beispiel die Stiftung NPIBS in den Niederlanden, ist eigentlich eine Bewegung gegen abweichendes Verhalten. Es sind also, genau wie so viele Bewegungen aus Amerika, wie zum Beispiel die Zeugen Jehovas, Christian Science, Save Sex (Enthaltsamkeit vor der Ehe), eigentlich moralische Bewegungen. Auch eine wichtige rechtskonservative Strömung der Puritaner aus Amerika gehört dazu. Glücklicherweise hören wir auch vernünftige und befreiende Ansichten aus Amerika.

 

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