kopftücherverbieten? 

Dies ist keine einfache Frage in den Niederlanden. In Frankreich sieht das ganz anders aus. Da kann der Staat Kopftücher verbieten, da in Frankreich die gesamte Bildung öffentlich ist. Da werden Schulen mit religiöser Basis nicht subventioniert. Alle Manifestationen welchen Glaubens dann auch, probiert man so viel möglich ausserhalb der Schulen stattfinden zu lassen.

 

Darf die Schule Kopftücher verbieten?

In den Niederlanden gab es einen Schulenstreit, der 1917 endete mit gleichem Recht auf Subventionen für staatliche/öffentliche, katholische und protestantische Schulen. Seit den 1980er Jahren wurden hier auch Muslimschulen errichtet und auch die werden subventioniert. Aber auch zu allen anderen Schulen, staatlich und christlich, kamen immer mehr islamitische Schüler.

 

Ausländerhass

Am Ende des vorigen Jahrhunderts wuchs der Ausländerhass, was sich auch in der Politik zeigte. Hiergegen entstand Widerstand, der sich u.a. im Tragen von Kopftüchern manifestierte. In der Praxis ist es in den Niederlanden sinnvoller in Schulen (und auch auf der Arbeit und woanders) Kopftücher nicht zu verbieten. Menschen können miteinander gut umgehen, ihren sozialen Aufgaben nachkommen und ihr Verhalten beurteilen ohne dass ein Kleidungsstück hierauf Einfluss hat. Etwas zu verbieten, was zu der Identität von jemandem gehört, hat einen gegenteiligen Effekt. Aus Sicht der sexuellen Reform ist mit dieser praktischen Toleranz die Sache noch nicht erledigt.

 

Schule ist eine Freistatt um zu lernen 

Die Schule ist oder muss eine Freistatt sein um zu lernen. Die Wichtigkeit, objektives Wissen und Fertigkeiten zu lernen kann man nicht überschätzen. Idealerweise ist eine Schule Ausdruck menschlicher Vernunft. In der Praxis hat man dieses Ideal noch nicht erreicht, da Schule auch immer schon ein soziales Institut war. Bildung wurde zur Pflicht in der modernen Welt, da es ein unentbehrlicher Teil der hochentwickelten Gesellschaft ist. Die Bedeutung des Arbeitsmarktes stand also im Vordergrund und bestimmte einen wichtigen Teil des Unterrichtsprogramms. Auch blieb die Ausbildung  Jugendlicher ein Verlängerungsstück elterlicher Macht und ein Mittel, religiöse Ideen, sittliche Normen und Werte und auch wissentschaftliche Irrtümer, die nun einmail der Entwicklung von Wissen inhärent sind, weiter zu reichen. Die Bildung hat in der Regel einen Rückstand bei wichtigen Umbrüchen in der Wissenschaft.

 

Kopftücher als Ausdruck des sexuellen Systems

Kopftücher, oder noch schlimmer Schleier, werden von geschlechtsreifen Mädchen an öffentlichen Orten getragen, wo sich auch Männer befinden (können). Sie sind also ein Ausdruck des sexuellen Systems, in dem der Unterschied der Geschlechter mit der Regulierung der Lustgefühle in Verbindung steht. Die Kleidung in der Schule muss so gleich und frei wie möglich sein. Gleich bedeutet, dass die Unterschiede in sozialem Status, Religion, Rasse und Geschlecht unter den Schülern so wenig wie nur möglich eine Rolle spielen sollten, neutralisiert werden sollten. Bildung sollte im Idealfall universell sein. Dieses Ideal ist nicht zu realisieren, aber es sollte als leuchtendes Beispiel gebraucht werden. Um die Gleichheit und Neutralität der Bildung zu garantieren, gibt es an vielen Schulen auf der Welt eine Schuluniform. Nachteil ist, dass eine Gleichförmigkeit suggeriert wird oder auch der Kadavergehorsam des Militärs. Darum muss Schulkleidung auch so frei wie möglich sein. Individuen müssen die Möglichkeit haben, ihrer Kleidung einen Akzent zu geben, da das für die Entwicklung des Individuums wichtig ist. In der Praxis gibt es genug Konformismus durch die Popularität gewisser Schuhmarken oder andere Attribute. Das Tragen von Kopftüchern von Mädchen (und nicht von Jungen) ist Ausdruck sexueller Auffassungen, die auf Unwissenheit, Unfreiheit und Ungleichheit basiert sind. Bildung sollte in allen Kulturen letztendlich dazu beitragen oder eine Widerspiegelung des Durchbrechens des sexuellen Systems sein. Das gilt also nicht nur für den Islam, sondern auch für andere Religionen und Überzeugungen. Ein Beispiel: das Tragen eines Oberteils am Strand von Mädchen (und nicht von Jungen) ist Ausdruck sexueller Auffassungen, die auf Unwissenheit, Unfreiheit und Ungleichheit basiert sind. Es ist ein Fortschritt, wenn Mädchen dieses Oberteil weglassen können und ein noch grösserer, wenn jeder so frei ist, auch das Unterteil nicht zu tragen.

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