diezukunftvorhersagen?

Die Zukunft kann man nicht zu 100% vorhersagen, aber zu 99%. Unsere Geschichte vom homo erectus zum homo sapiens kennzeichnet sich durch die Fähigkeit, die Natur zu regulieren.

 

Unsere Zeit in Veränderung

Es gibt in unserer modernen Zeit aber einen Unterschied mit der Vergangenheit vor dem 18. Jahrhundert, vor der Entdeckung der Evolution.
In unserer Welt verändert sich sogar während unseres Lebens viel. Die meisten Veränderungen sind Folge des (Über-)Lebens selbst. Wir wollen mit zu vielen Menschen  mit zu vielen Wünschen ein besseres Leben haben und müssen darum in grösserem Rahmen ausbreiten, intensiver produzieren, weiter reisen, schneller kommunizieren, höher bauen und globaler denken. Alle diese Veränderungen für die Zukunft sind aber immer noch mehr oder weniger vorherzusagen.
Positiv klingt diese Vorhersage nicht.
Die Zukunft, so hören wir täglich, erscheint unvermeidlich katastrophal. Jeder kennt den Treibhauseffekt, weiss Bescheid über den Anstieg des Meeresspiegels, die Abholzung und den Verlust der Biodiversität, dem wachsenden Wassermangel, dem zunehmendem Hunger. Der Tagtraum von den Zeugen Jehovas und anderen Unheilspropheten wird wahr. Wir bekommen nicht genug von den Unheilsbotschaften, den Bildern einstürzender Eisberge, Überströmungen, hungernden Massen, traurig schauenden Gorillababys.
Al Gore und David Attenborough sind die beliebten Prediger von heute, die uns mit bezaubernden Bildern an unsere verantwortung erinnern. Der WWF sammelt viel Geld ein mit Filmen von süsen Tierbabys und ihren sorgsamen Müttern. Die Natur ist so schön und gut und sauber.
Die Politik beordert Weltkonferenzen, kann aber nicht viel mehr tun als die Interessen von von Ausbreitung und Umwelt gegeneinander abzuwägen. “Nachhaltige Entwicklung” ist das magische Wort. Das klappt kleinschalig und kurzfristig, aber langfristig und in grösserem Rahmen reicht das nicht.
Kurz gesagt, die Zukunft ist vorhersagbar durch die einfache Tatsache, dass wir sie beschlagnahmen aus der Überzeugung heraus, dass das tägliche Leben einfach weitergeht und durch die Tatsache, dass wir Veränderungen auf Grund der gleichen Überzeugung vorhersehen.

 

Unvorhersagbarkeit

Die Vorhersagbarkeit gilt nicht zu 100%. Die Zukunft ist zu 1% unvorhersagbar. Unvorhersagbarkeit ist nicht das gleiche wie Mangel an Präzision. Die gängigen Vorhersagen sind natürlich nicht genau: es sind Modelle mit der Grundlage “wenn-dann” und die Ergebnisse unterscheiden sich auch noch pro Forschung. Alle zusammen sagen sie aber die grosse Wahrscheilichkeit des Unheils voraus, bloss mit grösseren oder kleineren Spielräumen von Undeutlichkeit. Aber das ist nicht das Wesen der Unvorhersagbarkeit.
Unvorhersagbarkeit ist die Möglichkeit, dass etwas ganz Unerwartetes geschieht, etwas, das niemand vorher wissen kann und was niemand in Berechnungen einbezieht. Die Naturwissenschaft, v.a. die Quantumtheorie, hat verdeutlicht, dass das Unerwartete, Unvorhersagbare, der Zufall, nicht Folge ist von menschlichem Mangel an Wissen, sondern dass das eine Eigenschaft von allem, was es gibt, ist. Wenn es die fundamentale Offenheit gegenüber der Zukunft nicht gäbe, hätte sich nie etwas verändert. Es gäbe keine Planetensysteme und Sterne, es gäbe keine Evolution und auch keine menschliche Kultur.

 

Sexuelle Reform

In der jüngsten Geschichte des Menschen ist die sexuelle Reform ein Beispiel so eines unerwarteten Geschehens in der menschlichen Entwicklung. Wer hätte sic him 18. Jahrhundert vorstellen können, dass es einen gesellschaftlichen Prozess geben würde, der die Selbstverständlichkeit des sexuellen Unterschieds und der biologischen Fortpflanzung in Frage stellen würde und auch tatsächlich darin eingreifen würde? Und dass sich damit auch das sexuelle Verlangen als eine positive menschliche Fähigkeit zeigen würde? Und dass (Kritik an der)  Familie eine grosse politische Bedeutung bekommen würde?
Viele können dies immer noch nicht verstehen. Es gibt die tiefliegende Überzeugung, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau, das Kinderkriegen und die Familie immer weiterbestehen werden. Erfüllt von Sorge über die Umwelt, will man die Natur beschützen. Und für wen? “Für die Kinder unserer Kinder!”
Eine Begleiterscheinung des Umweltschutzes ist ein zunehmend konservatives soziales Klima. Erhalten ist das Kennwort, so viel wie möglich erhalten. Und wenn dieses oder jenes Stück Natur nicht erhalten werden kann, da wir nun einmal bauen müssen und bohren und asphaltieren, da wir nun einmal arbeiten müssen um für die Familie zu sorgen, dann können wir aber auf jeden Fall Normen und Werte erhalten. Und welche Werte sind dann höher als die der Familie? Lassen wir uns diese auf jeden Fall erhalten und hegen und pflegen; das sagt die Mehrheit, angeführt vom christlichen Teil des Volkes. Und so bleiben wir in einer Denkweise hängen, die genau für das sorgen wird, das wir fürchten. Das kann man zu 99% vorhersagen.
Aber lassen wir uns jetzt einmal vorstellen, dass aus dem 1% Unvorhersagbarkeit ein neuer Impuls der sexuellen Reform entsteht. Wie undenkbar die herrschende Meinung dies auch finden mag, es wuurde eine ganz andere und positive Perspektive bieten für die Zukunft. Schwarzmalerei und Moralismus (anderen die Schuld geben) würden Platz machen für eine ganz anderen Blick auf die Zukunft. Die heutigen Werte würden anders bewertet werden. Die Menschheit würde sich aus der Kette ihres primitiven sexuellen Erbes befreien. Eine neue Art Mensch in einer neuen Gesellschaft würden aus dem zufälligen Ereignis heraus entstehen.
Stell dir das vor.

 

Dik Brummel

Share this page