kunst 

Kunst umfasst eigentlich alles, was Menschen kreieren mit einer ästhetischen Absicht, also um Gefühle von Schönheit (oder Hässlichkeit) zu erleben und/oder um diese hervorzurufen: Verzierungen, Zeichnungen, Bilder, Skulpturen, Musik, Gesang und Tanz, Architektur, Literatur, Fotografie, Film, Fernsehwerbung. Auch bei Sport und Spiel, Debatten, Mathe, Kleidung, Wissenschaft, Möbelentwürfen, Philosophie, kurzum bei allen menschlichen Aktivitäten kann man grössere oder kleinere “ästhetische” Aspekte unterscheiden.

 

Machen Pflanzen und Tiere auch Kunst?

Vom menschlichen Wahrnehmer aus betrachtet, sicher. Letztendlich wurde der Mensch von alters her durch die Schönheit und der unnachahmlichen Komplexität der ihn umringenden Natur so getroffen, dass daran eine göttliche Schöpfungskraft zu Grunde gelegt wurde. Noch immer ist dies ein viel gehörtes Argument für die Existenz von Gott als Schöpfer.
Aber auch von den Pflanzen und Tieren selbst aus betrachtet ist es möglich, von “ästhetischen” Absichten, also von Kunst, zu sprechen. Diese Einsicht ist unter Wahrnehmern vom Verhalten der Tiere schon lange bekannt. Der Gedanke daran, dass Tiere und Pflanzen auch Kunst machen, ist nicht mit dem primitiven menschlichem Gedanken, dass Kunst ein Produkt des menschlichen “Geistes” ist, zu vereinbaren. Tiere und Pflanzen haben keinen “Geist”, können also auch keine “Absichten” und “freien Willen” haben, da sie nicht zwischen gut und böse unterscheiden.

 

Ursprung der Kunst

Wir können diese Dinge auch ganz anders betrachten. Den Ursprung der Kunst muss man nicht in einem besonderen menschlichen “Geist” zu suchen, sondern im ästhetischem Verhalten und Gefühl, das vor langer Zeit in unser genetisches “Make-Up” einprogrammiert wurde. Und warum geschah das? Die Erklärung ist einfach. Als die sexuelle Fortpflanzung entstand, ungefähr vor 1 Milliarde Jahren, entstand auch der Mechanismus von Anziehung zwischen den Geschlechtern. Einzeller, die sich nur zu teilen brauchen (klonen) um sich zu vermehren, benötigen keine Ästhetik. Aber Blumen, die Bienen anziehen müssen, um ihre Geschlechtszellen zu transportieren, zwinkern mit einer verführerischen Farbenpracht. Vögel und Fische, die ihre Nester bauen, und verzieren, locken damit einen sexuellen Partner an. Prunkende Federn, Muskeln, Farbenpracht und zahllose andere äusserliche Signale des Paarungstriebs liegen der bildenden Kunst zu Grunde. Gesang und pfeifen, trommeln und streichen sind der Ursprung menschlicher Musik. Vergleichbare Erklärungen gibt es für alle anderen oben genannten Formen der Kunst.

 

Das Sexuelle der Kunst

Oft wird Kunst mit etwas Höherem, Sex mit Niedrigerem assoziiert. Wer bei Kunst an Erhebung denkt, an Bewunderung, Rührung und Vertiefung der Einsicht, an Hamlet und Die Nachtwache, an die Matthäuspassion, rechnet die Kataloge von Sexartikeln, Pornovideos und Fernsehwerbung für Telefonsex nicht zu Kunst, zumindest nicht zu Kunst mit einem grossen “K”.
Fast niemand wird den Unterschied zwischen grossen Kunstwerken und platen Konsumartikeln der Sexindustrie leugnen.
Mit dem Vergleichen werden wir jedoch ausgetrickst. Es geht nicht um das Unterscheiden von Kunst und Sex, sondern um unterschiedliche Niveaus. Diese Unterschiede sieht man auf jedem Terrain der Kunst. Es gibt unendlich viel Variation vom niedrigsten hin zum höchsten Niveau und das in jeder Kunstform: von der Kinderzeichnung zur Mona Lisa, von der Lehmhütte zur Kathedrale, vom Stampfen mit dem Fuss hin zum Ballett und vom StUohnen hin zu Pavarotti. Dies gilt auch für sexuelle Darstellungen.
Man nimmt dann zum Beispiel den “Kuss” von Rodin(Darstellung von “Sex”) und vergleicht ihn mit einem Eiffelturm aus Plastik der Touristenindustrie (keine Darstellung von Sex). Dann finden wir, dass der erstgenannte ein viel höheres Niveau hat.

 

Hoch und niedrig

Und doch fällt es den meisten von uns schwer, um Sex mit “Höherem” zu assoziieren. Sex ist von Natur aus etwas, das sich “unten” befindet, was “niedrig” ist und bedeckt, das man in der Öffentlichkeit nicht zeigt. Erst seit kurzem ist das Zeigen und Besprechen von Sex in den meisten modernen Gesellschaften in berenzten Masse möglich. Dass dabei auf einem freien Markt v.a. der Konsumartikel, das “niedrige” des Sex’, ausgedrückt wird, ist nicht so merkwürdig. Aber auch in der höheren Kunst (v.a. in der Malerei und Literatur) ist die Darstellung und Beschreibung von Sex in den letzten 100 Jahren immer wichtiger geworden. Das hat oft zu Kontroversen, Rechtssprüchen, Strafen geführt. Die Gesellschaft fühlt sich bei der Manifestation von Sex nicht wohl. Bereits das Nacktsein in der Öffentlichkeit wird ängstlich vermieden und verurteilt. Nacktheit ruft in der Privatsphäre Lustgefühle hervor und in der Öffentlichkeit grosse Angst, sowohl be idem, der nackt ist als auch beim Betrachter.

 

Sexuelles Verhalten

Wenn wir bei “Kunst und Sexualität” nicht nur an “Sex” denken, sondern an sexuelles Verhalten im weitesten Sinne (das Männliche und Weibliche, Eltern und Kinder, Familie, Ehe, Verliebtheit und Liebeskummer, Untreue und Rache), dann sieht man, dass das sexuelle System das am meisten vorkommende Thema in Literatur, bildender Kunst, Film und Fernsehen, Musik und Tanz ist. Das Sexuelle drückt sich hierin deutlich in der Kultur aus.

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