religion&emotion

Bei Kritik an Religion (in Form von Kritik an der Kirche, dem Aberglauben, dem Glauben an Gott, Priestern, Traditionen oder Lehrsätzen), wird oft hauptsächlich nach dem geschaut, was sic him Kopf der Gläubigen abspielt. Es wird angenommen, dass Glaube eine mentale Angelegenheit ist, etwas, das mit dem Denken zu tun hat. Bereits als Kind stellen die meisten Menschen Fragen nach der Logik des Glaubens: wie kann Gott alles steuern und gut sein und doch so viel Elend zulassen? Wer hat Gott erschaffen? Warum ist Gott ein “er”? Etc.
 

Gott und der Mensch 

Auch die Verteidiger der Religion sehen einen Zusammenhang zwischen dem Glauben und dem menschlichen Bewusstsein. Gott, so behaupten sie, hat den Menschen so erschaffen, das ser (der Mensch ist auch männlich) Gott kennen kann; etwas, das Tiere nicht können. Der Mensch, so sagen sie, erkennt den Unterschied zwischen gut und böse und darum kann der Mensch wählen. Und das gilt vor allem, wenn es um Fragen der Moral geht, um Normen und Werte, um das Triebleben. Der mensch hat allerlei Begierden und sündhafte Neigungen und diese kann er bewusst unterdrücken, natürlich mit Hilfe von Gott, der Familie Freunden und Priestern, aber letztendlich ist der Mensch selbst verantwortlich für seine Entscheidungen. Vor allem sexuelle Begierde, die beim Menschen für viel Elend sorgen kann, sollte einen untergeordneten Platz bekommen. Das kann man dadurch hinbekommen, indem man sich auf höhere Dinge richtet: Arbeit, sorgen für die Familie, etwas schaffen, Musik machen, das Geistige.

 

Religion und Emotion

Diese Kritik und auch die Verteidigung der Religion gehen von einem bewussten Verstand aus. Gott wird hinzugezogen um die Welt zu erklären oder andere (Kinder, Leser) zu überzeugen, ihr Triebleben zu beherrschen. Aber das eigentliche Merkmal der Religion ist nicht das Bewusstsein sondern die Emotion.

 

Angst

Die Religion wurde vor 100.000 Jahren aus Angst heraus geboren. Angst vor Naturerscheinungen, Angst vor Geistern, Angst vor Strafe, direkt oder in einem späteren Leben, Angst vor Feinden. Götter mussten zufriedengestellt werden mit Opfern oder blutigem Streit.

 

Bosheit

Eine zweite wichtige Emotion ist Bosheit,  in Form von Rachgier. Gott wird als Rächer hinzu gerufen: er wird den Teufel, Feind, Schurken, Ungläubigen, Sünder, der sich nicht bekehrt, vernichten. Für den Machtlosen ist diese Phantasie ein Trost.

 

Bindung

Eine dritte Emotion ist Bindung. Mangel an Aufmerksamkeit und Liebe in der Jugend, Kennzeichen des Aufwachsens in der Familie, wird im Gottesglauben kompensiert durch eine in der Kindheit in der Phantasie entstandene Bindungsfigur, deren Anwesenheit dann durch die gleiche Familie bestätigt wird und auch durch die Umwelt. Gott ist der Vater oder die Mutter, der unendlich viel Aufmerksamkeit schenkt. Der Gläubige hat Gott lieb als ideale Elternfigur, jemanden, der immer da ist, immer vergibt, kurz gesagt, der immer (geistige) Liebe gibt.

 

Lusterleben 

Schliesslich, aber darum nicht weniger wichtig, ist Religion eine Form des Lusterlebens. Vor allem in der Praxis des Glaubens, in Ritualen, Festen, Gesang und Tanz, Musik und Kunst, Düften und Farben und Formen der Religion geht es um Ausdruck und Befriedigung von Lustgefühlen. Priester und Nonnen masturbieren mehr als andere Bevölkerungsgruppen, da sie ständig in einer Umgebung verkehren, in der die Bekämpfung von Lust Hand in Hand geht mit Lustimpulsen aus der Umgebung und dem Lebensstil. Kühle stille Räume, Verzierungen und Standbilder, singende Chorknaben, Frauenkleidung, duftender Weihrauch, dies alles sind auch Stimuli für die sündige, aber süsse Liebe. Die hitzig singenden und verführend mit ihrem HInterteil wackelnden Mädchen bei MTV haben ihre ersten Gesangserfahrungen oft beim Gottesdienst in ihrer Kirche gemacht. Das Spirituelle findet seinen Ursprung in der Lust. Und das ist einer der wichtigsten Gründe warum die Religion Menschen immer wieder anspricht.

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