fortpflanzungsstrategien

Es gibt unzählig viele und manchmal sehr komplexe Arten, wie Organismen sich fortpflanzen. Die Variation ist in der Natur unendlich und fortwährend in Bewegung und Entwicklung. Aber unter all diesen Variationen erkennen Evolutionsbiologen eine Basisprinzip, nämlich das Streben der Gene um sich zu reproduzieren.

 

Da sich die Gene in der DNA eines Organismus’ reproduzieren wollen, will sich der ganze Organismus reproduzieren. Bei Einzellern ist das kein Problem, aber sobald 2 Organismen (Geschlechter) notwendig sind um ein neues Individuum zu produzieren, ensteht ein Interessenstreit zwischen den beiden Geschlechtern. Jeder versucht, die eigenen Gene überleben zu lassen und hat dafür auch eine eigene Fortpflanzungsstrategie entwickelt.

 

Was bewegt den Mann?

Die männlichen Paarungsstrategien haben ein breiteres Spektrum als die weiblichen, einfach wegen des Prinzips der weiblichen Auswahl. Männer haben sich immer anpreisen müssen und wählerische Frauen überzeugen müssen, dass sie ein geeigneter Samenspender sind. Sie konnten es sich ausserdem nicht erlauben, auch nur eine Kopulationsgelegenheit zu verpassen. Alles, was dazu beitragen konnte, dem Mann Zugang zu einer oder mehreren Frauen zu verschaffen, wurde im Prozess der natürlichen Auslese als Eigenschaft der Nachkommen gefördert.

 

Auf gut Glück

Männliche  Kröten und Frösche benutzen eine einfache “Auf-gut-Glück”-Methode, die recht gut klappt: sie bespringen alles, was auch nur ein bisschen einem Artgenossen ähnelt, auch wenn es ein Matschklumpen ist und dann klammern sie sich fest. Die nahezu blinde Vergwaltigung garantiert, dass das Männchen keine  Paarungsmöglichkeit verpasst. Wenn das vergewaltigte Individuum dies nicht wertschätzt oder zurückkämpft, dann ist es wahrscheinlich ein anderes Männchen und dann sollte man sich so schnell wie möglich aus dem Staube machen. Wenn es nicht protestiert oder kämpft, dann ist es wahrscheilich ein empfängliches Weibchen und in dem Fall weiss das Männchen, das es an der richtigen Adresse ist und reitet es tagelang auf dem Rücken des Weibchens bis es paarungsreif ist. Andere Krötenmännchen werden probieren, ihn zu entfernen vom Weibchen um selbst diese glückliche Position einnehmen zu können. Kleiner Männchen ziehen also meist den Kürzeren. Die Männchen bestimmter Krötenarten leimen sich sogar an ihrem fetten, grossen Partner fest mit einer klebrigen Substanz, die sie ausscheiden.

 

Nachgeben 

Drängen und Hartnäckigkeit belohnen meist den Sexualibus. Ein Wasserläuferweibchen, das es nicht schafft, das auf ihrem Rücken mitreitende Männchen abzuwerfen, paart letztendlich mit ihrem Belagerer um ihn loszuwerden. Bei verschiedenen Arten werden fruchtbare Weibchen solange belästigt mit unerwuunschten Intimitäten bis sie letztendlich nachgeben und kopulieren.

 

Sex bis zum Tod

Tötlicher Sex ist nichts aussergewöhnliches. Das Paarungsmonopol ist für Männchen so wichtig, dass viele Insektenliebhaber bei ihren Versuchen, die exklusiven Fortpflanzungsrechte ihrer Geliebten zu erwerben bereit sind den ultimativen Preis zu zahlen: die Drohne der Honigbiene dessen Penis wie ein explosiver Bolzen seinen Dienst erweist und ihn nach dem Samenerguss wegschiesst; die Männche der Fliegen-, Grasshüpfer und Spinnenarten, die sich von ihrer Geliebten aufessen lassen, aber damit erreichen, dass ihr Geschlechtsapparat ihn ihrem Hinterleib festsitzen bleibt und da sehr zielgerichtet seinen Dienst leistet als Paarungsstopp.

 

Brutale Gewalt

Brutale Gewalt ist wohl die direkteste Art um sich sexuelles Alleinrecht zu verschaffen. Die Effektivität von eifersüchtigen Buhmännern, die wie Strandwächter ihren Seehundharem bewachen, kann man nur schwer bezweifeln. Auch bei vielen Huftieren behüten die Männchen ihre Weibchen vor der Aufmerksamkeit von Rivalen. Jedes Mal wenn z.B. ein Mutterschaf ihre 2-tägige Brunft hat, richtet ihr Trieb sich auf den dominanten Bock, der sie vor anderen Männchen abschirmt, die tatenlos zuschauen müssen.
Meist nehmen die Vorteile dieser Strategie zu, wenn die Wahscheinlichkeit zunimmt, dass das Weibchen fremdgehen würde und das Sperma eines anderen Männchens gebrauchen würde um ihre Eier befruchten zu lassen. Die Kosten dieser ständigen Bewachung nehmen ab im gleichen Masse wie es weniger empfängliche Frauen gibt, sodass das Männchen, das in der Nähe seiner Partnerin bleibt, kaum Chancen verpasst.

 

Abschirmen

Bei vielen Arten, von kleinsten Insekten hin zu Amphibien und Reptilien bis zum Mensch, probiert das Männchen das Fremdgehen des Weibchens zu  beschränken indem er das Weibchen nach der Befruchtung probiert ab zu sondern und es abzuschirmen von anderen Männchen oder indem die genitale Öffnung des Weibchens duch allerlei Ausscheidungsprodukte und erhärtende Samenflüssigkeit –  organische Arten von Zement – ab zu dichten.
Es gibt immer mehr Hinweise darauf, das die Weibchen vieler Arten das Vermögen besitzen, sich zu differentieren und selektiv zu wählen zwischen dem Sperma verschiedener Männchen und sogar noch nach der Kopulation Zuchtwahl ausüben zu können. Weibchen können ihre eigene Befruchtung grösstenteils selbst (natürlich nicht bewusst) regeln indem sie z.B. it ihrem eigenen Partner paaren oder auch nicht, einen Orgasmus bekommen oder auch nicht (was vielleicht den Transport des Spermas zur Gebärmutter fördert) oder indem sie biochemische und/oder immunologische Eigenschaften ihres vaginalen Milieus verändern.
Männchen haben dagegen Strategien entwickelt, die dazu führen, dass ihr eigenes Sperma den Wettkampf mit dem Sperma anderer Männchen gewinnt.
Hunde bleiben nach der Kopulation einige Zeit an einander hängen (durch eine ballonförmige Schwellung im Penis des Rüden um den sich die Vagina der Hündin umschliesst). Dadurch hat er einen nicht mehr einzuholenden Vorsprung im genitalen System.

 

Spermawettkampf

Einige Tiere sind treue monogame Partner, aber ihre Treue ist pure Selbstsucht in einer Welt von Spermawettkämpfen. Ein Schwarzdrosselmännchen belibt in der Nähe des Partners um sicher zu sein, dass kein anderes Männchen mit dem Weibchen paart während sie fruchtbar ist. Stare, Basstölpel und Fischadler kopulieren häufig, da die Männchen probieren dafür zu sorgen, dass ihr eigenes Sperma herrscht über das eines Rivalen, der vielleicht heimlich die Chance ergriffen hat als er selber kurz weg war.
Bei den Weisshalsbienenessern bleiben die Männchen ständig wachsam bei ihrem Weibchen und belästigen sie auch ständig mit erzwungenen Kopulationen, gerade wenn die Weibchen ihre Eier legen und das Risiko eines Spermawettkampfes am grössten ist.
Lange und/oder häufige Kopulation ist wahrscheinlich auch eine From der Partnerseparation und Bondage. Solange er in ihr ist, fungiert der Mann als lebender vaginaler Stopfen und hält er sie genau im Auge.
Bei vielen Vogelarten ist diese Art der Trennung und Bewachung, kombiniert mit einer erhöhten sexuellen Aktivität des Männchens, al seine Form des Spermawettkampfes dokumentiert.

 

Abstossend

Einige Insekten haben eine geniale biochemische Lösung für das Problem des umherschweifenden Weibchens gefunden. In der Familie der Schmetterlinge Heliconiidae besprüht das Männchen während der Paarung das Weibchen mit einer stinkenden abstossenden Substanz, wodurch jeder ihr aus dem Weg geht. Männchen der Gelbfiebermücke haben eine Art Beruhigungsmittel in ihrem Samen, wodurch die Weibchen, die sie befruchten nach der Paarung komplett frigide sind.

 

Dik Brummel in Gespräche mit Johan van der Dennen

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