feminismus

Der Feminismus ist ein –ismus, genau wie der Sozialismus, Kapitalismus, Faschismus, Fundamentalismus, Humanismus etc. (im Niederländischen gehört auch der Islam in diese Reihe von “-ismus”). Das bedeutet, dass es sich um eine Denkart handelt, eine Ideologie, eine Art und Weise, wie die Welt verstanden wird, u die Vergangenheit zu beschreiben oder einen Zukunftsentwurf zu machen. Der –ismus richtet sich auch politische Veränderung, also auf das Bekommen und Anwenden von Macht.

 

Missverständnisse

Durch diese Beschreibung heben wir einige häufig vorkommende Missverständnisse auf. An erster Stelle ist der Feminismus nicht das gleiche wie die “Frauenbewegung”, genau so wenig, wie der Kommunismus das gleiche ist wie die “Arbeiterbewegung” oder der Fundamentalismus etwas mit Muslimen zu tun hat. Feminismus ist eine Denkart, die auf dem Unterschied von Männern und Frauen beruht (siehe Geschlechterunterschied), genau wie Rassismus beruht auf dem Unterschied zwischen verschiedenen Rassen. An zweiter Stelle ist der Feminismus nicht gebunden an Geschlecht, Rasse, Alter oder Nationalität. Ein Feminist ist also jeder, der feministisch denkt und spricht und sich so verhält. Und das können viele sein; in bestimmten Zeiten kann es sogar die herrschende Meinung sein, die sich auch in der Kultur wiederspiegelt.

 

Stereotypisches Bild

Dass es doch ein stereotypisches Bild von “der Feministin/dem Feministen” gibt, kommt dadurch, dass bestimmte Individuen den –ismus prominent vertreten. Sie erfüllen die Funktion von Wiedererkennung. Ein typischer Pazifist sieht anders aus als ein typischer Rassist. Und so ist auch ein typischer Feminist immer ein Feminist. Das Erkennbare kann zu einem oberflächlichen Bild beitragen. Dadurch, dass wir in der Kindheit die Sprache erlernen, möchten wir bei einem Wort das dazugehörige Objekt sehen. Am liebsten möchten wir, dass e suns gezeigt wird. Diese mentale Einschränkung hat enorme soziale Konsequenzen.
An dritter Stelle ist es typisch für jeden –ismus, dass der eine ganz andere Auffassungen vertritt als ein anderer. Der Feminismus vertritt komplett entgegengesetzte Auffassungen hinsichtlich Abtreibung, Kopftuch, Arbeit im Haushalt, dem Bestehen von Gott, Gleichheit von Mann und Frau etc.

 

Gemeinsamer Feind

Doch gibt es bei jedem –ismus einen stark verbindenden Faktor und das ist der gemeinsame Feind. Einen –imus kann man am besten daran erkennen, das ser aufteilt in “wir” und “sie”. Der Rassismus teilt die Welt in Rassen, der Zionismus in Juden und Nichtjuden, der Feminismus in Männer und Frauen. Wer an einem Tag Zeitschriften liest, fern sieht, Gespräche anhört, kann konstatieren, dass der Feminismus eingebürgert ist, sich nahezu selbstverständlich verbreitet. Der Feminismus hat die Dominanz des täglichen Gesprächs vom Maskulismus von vor zwei genrationen übernommen.
Ein wesentliches Merkmal des Feminismus ist, dass er eine Reaktion auf die sexuelle Reform ist. Die sexuelle Reform strebt nach Gleichheit der Geschlechter, der Feminismus betont die Ungleichheit. Sexuelle Reform befürwortet die Liebe zwischen den Geschlechtern, der Feminismus betont dass die Frau Opfer der sexuellen Triebe/Aggressionen des Mannes ist, womit auch Gewalt, Pornographie, Perversionen, aber auch allgemeine Kriminalität, Umweltvernichtung und Krieg verbunden wird.

 

Sexuelle Reform

Sexuelle Reform ist ein gesellschaftlicher und individueller Prozess, der Widerstand auf dem Niveau der Gesellschaft, der Gruppe und des Individuums hervorruft. Dies erklärt die Überschneidung, die es zwischen sexueller Reform und bestimmten Ausspachen des feminismus’ gibt. Bei Personen, die als Vertreter der sexuellen Reform galten, konnte sich eine Reaktion zeigen, wodurch die gleichen Personen als Gegner der sexuellen Reform auftraten. Das gleiche geschah innerhalb von Organisationen und so also in der gesamten Gesellschaft. Die reaktionäre Tendenz, die der Feminismus nach Mitte der 70er Jahre hervorrief, ist in den 90er Jahren zu einem neuen Konservatismus ausgewachsen, welcher als Basis hat, sich von allem abzuwenden, das an “die 60er Jahre” erinnert

 

Reform

Ein Beispiel um den Unterschied zwischen sexueller Reform und Feminismus zu illustrieren, ist die gleiche Verteilung von Arbeit und Sorge für Haus und Kinder. Die sexuelle Reform betrachtete dies immer als ein selbstverständliches Ziel. Aber so einfach konnte man die Familie nicht verändern. Die Familie und die Familienideologie sind Teil eines sexuellen Systems, das weit in unsere Evolution zurückreicht. Um das zu verändern ist eine Reform notwendig von allem, was als heilig betrachtet wird. Es gab dann auch irgendwann eine Grenze, was die sexuelle Reform konnte. So lange es die “biologische” Familie gab, gäbe es keine Gleichheit von Mann und Frau.
Was der Feminismus tat war, dem Mann die Schuld zu geben von der Benachteiligung der Frau und diese Betrachtungsweise hat sich eingebürgert. In regelmässigen Abständen gibt es Fernsehsendungen, die anprangern, dass “die meisten Männer noch immer keine Schürze umbinden wollen” und “dass die Männer in der Politik noch immer die Chefs sind”. Dies sagen nicht “Frauen”, sondern alle. Dies ist ein Beispiel dafür, wie sich der Feminismus eingebürgert hat. Niemand sagt, dass “die meisten Frauen noch immer nicht einen Overall anziehen um das Dach zu reparieren”, obwohl das auch unwiderlegbare (typisch maskulinistische) Beobachtungen sind. Tatsache ist, dass Männer meist noch immer die Vollzeitstellen haben während die Frauen für die Kinder sorgen und das mit anderer Arbeit kombinieren. Und so war e simmer schon. Je reicher der Mann der Frau die Frau, umso besser und befriedigender ihre Arbeit ist.
Der Feminismus ist als Machtsideologie ein Faktor in der Politik, was bei den neuen Gesetzgebern zum Ausdruck kommt. Dass mehr Frauen in der Oberschicht der Gesellschaft sind, ist nicht so etwas Besonderes. Das Volk waren immer schon unter der Fuchtel von Herren und Damen. Das Auffrischen des Kabinetts mite in paar Frauen ist nett gemeint, man muss aber nicht glauben, dass das automatisch dazu führt, dass weniger Unrecht geschieht, dass besser kommuniziert wird und dass die Welt in Frieden lebt. Der Feminismus passt zu anderen reaktionären Kräften, die seit Ende der 70er Jahre stärker geworden sind und unser politisches Klima beherrschen.

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