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Männer und Frauen haben unterschiedliche “Reproduktionsstrategien”, die sich während einer langen Periode der Evolution entwickelt haben. Alle Organismen streben nach Fortpflanzung, weil ihre Gene das tun.

 

Bei Arten, die sich sexuell fortpflanzen, gibt es einen Interessenkonflikt, da Anpassungen, die für das eine Geschlecht günstig sind, für das andere Nachteile haben können. Die Gene beider Geschlechter probieren zu überleben, sich also so viel wie möglich fort zu pflanzen. Kurz gesagt, es herrscht ständig Krieg zwischen den Geschlechtern.

 

Strategien der Frau

Die wichtigsten reproduktiven Entscheidungen, die Frauen/Weibchen im Tierreich machen müssen sind: (1) wieviel investieren in ein Ovum; (2) vom welchem Mann/welchen Männern Sperma empfangen oder wessen Sperma benutzen im Fall von Spermawettkampf; und (3) welche Embryos austragen oder abtreiben; (4) welche Jungen nach der Geburt behalten oder aufgeben und wieviel Sorge in wen investieren.
Was für einen Mann soll die Frau auswählen? Die Antwort ist einfach: den besten. Der allerbeste Mann ist in den meisten Fällen ein Mann, der zur eigenen Art gehört (hybride Nachkommen sind oft unfruchtbar und von daher ein Investitionsverlust), einer, der breit ist in ihre zukünftigen Nachkommen zu investieren oder einer der im Notfall nur seine “überlegenen” Gene investiert. Zwei häufig vorkommende Strategien sind die, wo entweder der “heimische Herd” oder der “superman” im Vordergrund steht.

 

Der heimische Herd

Das Weibchen betrachtet die Männchen gut und probiert schon mal Zeichen von Treue und Häuslichkeit zu entdecken. Die Neigung, ein treuer Ehemann zu sein, variiert in der Population von Männchen zu Männchen. Wenn ein Weibchen diese Eigenschaften im voraus erkennen könnte, würde se sich bevorteilen wenn sie ein Männchen wählen würde, das diese Eigenschaften besitzt.
Eine bestimmte Art und Weise, wie das Weibchen dies tun kann ist, eine Zeit lang so zu tun als ob sie schwer zu erobern ist, sich keusch vortun. Ein Männchen, das nicht genug Geduld hat um zu warten bis das Weibchen letztendlich zustimmt, sich zu paaren, ist wahrscheinlich keine gute Wahl für einen treuen Ehemann. Indem man eine lange Verlobungszeit fordert, verabschieden sich uninteressierte Männchen von selbst und paart das Weibchen letztendlich mit einem Männchen, das bereits bewiesen hat, treue und asudauernde Eigenschaften zu besitzen. Weibliche Sittlichkeit kommt bei Tieren viel vor und das gleiche gilt auch für eine lange Verlobungszeit.
Das Ritual, jemandem den Hof zu machen, enthält oft auch eine grosse Investition fü das Männchen noch bevor die Kopulation stattgefunden hat. Das Weibchen kann sich zum Beispiel weigern zu paaren wenn das Männchen nicht erst ein Nest für sie gebaut hat. Oder sie fordert, dass das Männchen sie mit einer grossen Menge Nahrung füttert.

 

Die “superman” Strategie

Bei den Arten, bei denen diese Politik angewendet wird, haben die Frauen sich eigentlich damit abgefunden, dass sie keine Hilfe bekommen vom Vater ihrer Kinder und tun sie anstelle davon alles dafür, die besten Gene zu finden. Auch hier benutzen sie die Waffe der Enthaltung. Sie weigern sich, sich mit dem Erstbesten zu paaren und gehen mit viel Sorgfalt und Diskriminierung an die Arbeit bis sie einem mann gestatten, sich mit ihnen zu paaren. Worauf muss eine Frau, die probiert, gute Gene zu finden, achten? Eine der wichtigsten Dinge, nach denen sie strebt, ist der Beweis, dass derjenige Überlebenstalent hat. Es kann für eine Frau also eine gute Strategie sein, einen alten Mann auszuwählen.
In einer Gesellschaft, in der Männer miteinander wetteifern, wer von dern Frauen als “superman” angesehen wird, ist eine der besten Dinge, die eine Mutter für ihre Gene tun kann, einen Sohn zu gebähren, der wiederum ein attraktiver “superman” wird. Wenn sie dafür sorgen kann, dass ihr Sohn zu der kleinen Gruppe glücklicher Männer gehört, die die meisten Paarungen in der Gesellschaft erreichen können, dann wird sie eine grosse Anzahl Enkelkinder bekommen. Folge hiervon ist, dass eine der begehrenswertesten Eigenschaften, die ein Mann in den Augen einer Frau haben kann, ganz einfach sexuelle Anziehungskraft ist.

 

Spermawettkampf

Es gibt einige Situationen, in denen sich für die Frau nicht lohnt, die “keusche Johanna” zu spielen. In dem Fall können sie besser ungehemmt und aggressiv das nehmen, was sie begehren. Eine andere Strategie ist das Provozieren von Konkurrenz, besser bekannt unter dem Begriff “Spermawettkampf”. Wenn Männer nicht bereit sind, in ihre Nachkommen zu investieren ist es die beste Strategie für die Frau, einen Spermawettkampf zu provozieren wobei der Gewinner wahrscheinlich der Träger der besten Gene ist.
Das Provozieren eines Wettkampfes zwischen Männer ist eine bevorzugte Taktik bei Arten, bei denen Sperma)Wettkämpfe bis auf’s Blut ausgekämpft werden. Wenn sich zum Beispiel einem Weibchen vom Seeelefant ein junger Bulle auf Freiersfüssen nähert, fängt sie direkt an, schauerlich zu schreien, wodurch alle Bullen aus der weiten Umgebung zum “Tatort” gelockt werden, dann den jungen Bullen vertreiben und dann selbst, von Wolllust übermannt, untereinander beginnen zu kämpfen um das Privileg, der Geliebten sexuell zu Diensten zu sein.
Wenn eine Frau mehr aus den Männern holen kann dann nur eine Portion Samen, können Frauen sich dafür entscheiden, ihre Gunst an den höchsten Bieter zu verkaufen. Diese Strategie kommt auch bei Schimpansen und Bonobos vor. Sexuelle Gunst im Tausch für Nahrung, vor allem einen Teil der Jagdbeute (proteinreiches Fleisch), kommt viel vor. In menschlichen Jäger-Sammler-Kulturen hat ein gutter Jäger mehr Paarungserfolg als ein mittelmässiger; die Frauen finden gute Jäger und grosszügige Fleischbeschaffer (die auch gute Krieger und gute – denn erfahrene – Liebhaber sind) attraktive Partner. Auch hier ist die evolutionäre Basis dieses Tauschhandels nicht schwer zu verstehen.
Schliesslich verfügt eine Frau über die mächtige Waffe des sexuellen Seitensprungs. Wenn sie sowohl grosse Investitionen als auch gute Gene verlangt, brauch sie die nicht von ein und demselben Mann zu bekommen. Sie kann einen “häuslichen” Mann heiraten und einen “superman” als Liebhaber suchen.

 

Dik Brummel in Gespräche mit Johan van der Dennen

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