alter

Warum sprechen wir über “Ältere”? Naja, wir würden das lieber nicht tun, aber man kann es nicht vermeiden. Die Einteilung des Lebenslaufes in Kindheit, Pubertät, Erwachsenheit und Alter ist allgemein gebräuchlich, selbstverständlich und “natürlich”. Das bedeutet nicht, dass diese Einteilung auch gut oder wissenschaftlich unterbaut ist. Im Gegenteil: es gibt viel, was dagegen spricht.

 

Die Einteilung ist durch das herrschende sexuelle (Fortpflanzungs-)System entstanden. Von dem Standpunkt aus gesehen sind Kinder v.a. Menschen, die sich nicht fortpflanzen, und Jugendliche Menschen, die sich noch nicht fortpflanzen. Erwachsene pflanzen sich fort und Alte nicht mehr.
Fortpflanzung ist nicht das Gleiche wie Sex, aber da diese 2 Dinge eng miteinander verbunden sind, denken viele Menschen, dass Kinder keinen Sex haben, Jugendliche auch nicht, Erwachsene schon und Alte nicht mehr. Dies ist nicht die Realität, aber diese Betrachtungsweise nimmt viel Einfluss.  Darum gibt es diesbezüglich auch Einwände. Es verursacht noch mehr Diskriminierung auf Grund des Alters. Dieses Phänomen wird auch “Agismus” genannt.

 

Menopause

Wann beginnt Alter? Von alters her ist für Frauen das Ende der Menstruation auch der Beginn des Alters. Dieses Ende der Menstruation bezeichnet man als “Menopause”.
Das Alter, in dem die Menopause beginnt, liegt zwischen 45 und 50 Jahren, manchmal auch eher, manchmal spatter. Die Produktion fruchtbarer Eizellen (Ovulation) ist verstört, sodas die Frau keine Kinder mehr bekommen kann. Die ersten Signale sind eine unregelmässige Menstruation oder eine Veränderung in der Menge Blut, die ausgeschieden wird > manchmal wird es weniger, manchmal auch gerade mehr. Nach einiger Zeit – das ist bei jedem anders und kann länger als ein Jahr dauern – stoppt die Menstruation ganz.

 

Beschwerden

Die Ursache der Menopause ist eine Verringerung des weiblichen Hormons Östrogen und ein Anwuchs des männlichen Hormons Testosteron. Hierdurch kann man verschiedene Beschweden erklären, wie z.B. das Dünnerwerden des Haars, Knochenentkalkung, unerwünschter Haarwuchs im Gesicht, trockenere und sensiblere Vagina, plötzliches Schwitzen  (Hitzewallungen), dicker werden, Inkontinenz (unerwünschter Urinverlust). Der Gedanke daran, alter zu werden und sexuell nicht mehr anziehend zu sein, kann Anfälle von Panik oder Depressionen verursachen.

 

Dem Älterwerden entgegen wirken

Dank der modernen Wissenschaft kann man Wechseljahrsbeschweden behandeln mit Östrogenen. Leider hat das auch negative Effekte, wie ein höheres Risiko, an Krebs der Fortpflanzungsorgane zu erkranken (Eierstöcke, Gebärmutter, Cervix). Frauen können das Älterwerden auch auf andere Weise hinauszögern, indem sie ihr Haar färben, Make-Up benutzen, sich bewegen und Spass am Leben haben. Das sexuelle verlangen bleibt, auch wenn das Feuchtwerden der Vagina und das Kommen etwas länger dauern. Mit einem guten Liebhaber kann man bis ins hohe Alter geniessen.

 

Weniger attraktiv

Alt zu sein hat Vorteile (wie Erkenntnis und vom Leben geniessen können),. Grosser Nachteil ist, dass man als weniger attraktiv gilt und weniger zählt. Dies kommt durch den Zusammenhang von Sex und Fortpflanzung. Wenn eine Frau keine Kinder mehr bekommen kann, hat die Natur – um es mal so auszudrücken – keinen Grund mehr, sie attraktiv zu machen. Viele Frauen akzeptieren das. Stärker noch, sie tragen dies auch nach aussen und setzen die Norm, dass alte Frauen keinen Sex haben in die Tat um.
Die ältere Frau fühlt sich immer weniger attraktiv, was sehr bitter sein kann und viel stilles Leid verursachen kann. Es ist schön, dass wir in der modernen, “reichen” Welt immer älter werden. Es wäre aber noch schöner, wenn man auch im hohen Alter ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft bleibt, auch in der Liebe. Dass das nicht so ist, kommt durch die Selbstverständlichkeit des sexuellen Systems, welches Menschen in Fortpflanzungskategorien einteilt und welches sie von Beginn an an die Rollen gewöhnt, die sie in jedem Alter haben werden. Dies geschieht aber auch durch hormonale und andere Veränderungen, welche von Natur aus v.a. Frauen treffen.
Die Menopause ist also ein typisches Beispiel für natürliche Ungerechtigkeit, die der Geschlechterunterschied mit sich einherbringt. Glücklicherweise gibt es in unserer heutigen Zeit mehr Möglichkeiten, um den Verfall auf Abstand zu halten. Dabei kann man aber noch mehr verbessern.

 

Penopause

Dieses Wort wird aus Spass für den Übergang des Mannes von Erwachsensein zum Alter benutzt. Bei Männern gibt es keine Wechseljahre. Ab dem frühen Erwachsensein nimmt aber langsam die Menge Testosteron ab, was man an gewissen Aspekten merken kann. Ungefähr mit 45 Jahren wird der Drang, zu kommen, geringer, dauert es länger, um erregt zu sein, ist dafür mehr Reiz notwendig, z.B. mit dem Mund oder der Hand oder mit einem neuen Partner oder mit Pornographie und wird der Penis etwas weniger steif und dauert es beim Mann länger als früher um erneut Lust zu bekommen.

 

Männer länger jung

Alle diese Aspekte sind stark abhängig von den Reizen der sexuellen Situation. Da die Produktion von Samenzellen immer weitergeht (auch wenn sie weniger wird), haben Männer bis ins hohe Alter das Verlangen nach neuen sexuellen Beziehungen. Sie bleiben länger als Frauen auf der Suche nach neuen Partnern und neuen sexuellen Reizen. Sie nehmen darum auch mehr Prostitution, undPornographie in Anspruch, zeigen mehr Risikoverhalten. Sie beschäftigen sich auch länger kreativ mit Wissenschaft, Technik, Philosophie, Kunst und Sport.

 

Midlife-Crisis

Aber Männer fühlen sich ab 45 auch öfter alt, da sie entdecken, dass sie mit Liebe und Karriere nicht weiterkommen. Der Gedanke daran, dass sie ihre Vitalität verlieren, dass Mädchen sie alt finden (ausser wenn sie berühmt oder reich sind), kann zu depressiven Gefühlen führen. Man spricht dann von einer “Midlife-Crisis”. Wenn sie einer jüngeren Frau begegnen, welche sie ermutigt, dann kann ihr Verlangen, um das Glück zu erreichen und zu behalten so stark sein, dass sie zu Allem bereit sind. Sie wiederholen das Verhalten, das sie als junger Mann zeigten. Erst probieren sie, die neue Beziehung neben ihrer Ehe laufen zu lassen, aber das klappt meist nicht. Entdeckt werden durch die Ehefrau, die sich betrogen fühlt oder der Drang der Freundin, die wissen möchte, woran sie ist, verursachen starke Schuldgefühle, welche sich in Schweigsamkeit, Bosheit oder unangenehmen Verhalten äussern kann. Letztendlich kommt es zu einem Moment der Entscheidung zwischen dem Aufgeben der neuen Freundin oder der Scheidung von der Frau. Diese Problematik gehört zu den “Standardzutaten” unserer Kultur, von Buch, Film und auch Psychologie und Beziehungsratgebern.

 

Sexprobleme des Mannes

Typische sexologische Probleme beim älteren Mann sind Erektionsstörungen und verzögerter Samenerguss (siehe Probleme beim zärtlichsein). Diese hängen meist mit der Tatsache, dass Sex mit dem gleichen Partner weniger attraktiv gefunden wird, zusammen. Der Mann vermisst die Romantik einer neuen und abenteuerlichen Eroberung und verlangt in Gedanken nach einer jungen Frau. Wie Christian Barnard es einst sagte: “Ich finde es nicht schlimm, dass ich Opa bin, aber wohl, dass ich mit Oma ins Bett muss.”
Von alters her haben Männer nach Mitteln gesucht, um ihre Leistung zu steigern. Eine gute Erektion ist für den Mann etwas, worüber er sich freuen kann, auch wenn andere Dinge weniger gut laufen. Nicht kommen zu können verursacht ein Gefühl von Versagen und Verlust. Die Sexologie verfügt über ein Medikament, das die Leistung des Mannes im Ehebett steigern kann. Es hilft jedoch nicht, wenn die Lust fehlt.

 

Sexprobleme der Frau

Typische sexologische Probleme der älter werdenden Frau sind Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Lustmangel. Beide können durch die Wechslejahre verursacht werden. Eine dünnere und wenoger schnell feucht werdende Vagina ist sensibler bei rauhen Bewegungen. Lustmangel ist nicht typisch bei der älteren Frau. Es ist ein Phänomen, das bei Frauen häufiger vorkommt als bei Männern, da Sex bei Frauen Sinn machen muss, zu etwas führen muss (zum Beispiel zum einem Baby). Wenn die Motivation wegfällt, dann wird auch der Sinn von Sex und die Lust auf Sex weniger. Daneben haben Frauen in diesem Alter genau wie Männer ein geheimes Verlangen nach einer romantischen Liebe mit jemand, der jünger ist. Dies in die Praxis umzusetzen ist für Frauen meist noch schwieriger als für Männer.

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